Impuls zur 2. Fastenwoche im Klimafasten
Die biblische Geschichte mit den Arbeitern im Weinberg (Matthäus 20,1–16) lässt uns aufhorchen:
Der Tag beginnt früh. Ein Gutsbesitzer macht sich auf den Weg zum Marktplatz. Dort stehen Männer, die hoffen, dass heute jemand ihre Arbeitskraft braucht. Menschen, die auf ihren Tageslohn angewiesen sind. Als der Gutsbesitzer einige von ihnen anspricht, huscht Erleichterung über ihre Gesichter: Heute dürfen sie arbeiten, heute können sie ihre Familien ernähren.Mehrmals am Tag kommt der Gutsbesitzer zurück. Immer wieder entdeckt er Menschen, die noch niemand angeheuert hat – diejenigen, die schon fast die Hoffnung aufgegeben haben. Und jedes Mal nimmt er sie mit in seinen Weinberg.Als der Abend kommt, sind alle erschöpft. Die Sonne sinkt, und der Lohn wird ausgezahlt. Doch plötzlich geschieht etwas Unerwartetes: Diejenigen, die erst kurz vor Feierabend dazugestoßen sind, erhalten den vollen Tageslohn. Die anderen, die seit dem Morgengrauen geschuftet haben, spüren einen Stich im Herzen, Enttäuschung, Ärger, Wut. Sie murren. Ist das gerecht?Der Gutsbesitzer begegnet ihrem Groll ohne Härte. Er erinnert sie daran, dass er ihnen nichts vorenthält und dass seine Großzügigkeit ihnen nicht schadet. In seinen Worten schwingt etwas Mitfühlendes, fast Tröstliches: Seine Gerechtigkeit ist geprägt von Güte, nicht von Berechnung und Ansprüchen. Diese Geschichte erzählt von einer Gerechtigkeit, die größer ist als unsere engen Maßstäbe. Sie erzählt von einer Liebe, die niemanden zurücklässt.
Folgende Fragen leiten uns durch diese Woche:
Habe ich manchmal das Gefühl, zu kurz zu kommen?
Warum?
Habe ich nicht mehr als genug zum Leben, im Vergleich zu den vielen Menschen, nicht einmal das Nötigste haben – und was macht das mit mir?
In dieser Woche …… überlege ich, wo ich genug bin.… setze ich mich mit meinem Lebensstil und dessen Auswirkungen auf andere Menschen vor allem in Ländern des Globalen Südens auseinander.… überlege ich mir, wie ich mich gemeinsam mit anderen für gerechtere Lebensbedingungen engagieren kann.
Mal ehrlich: Fühle ich mich nicht auch manchmal ungerecht behandelt, wie die Arbeiter im Weinberg, die den ganzen Tag geschuftet haben?
Doch alles Gute in unserem Leben ist Geschenk – nicht Verdienst. Dankbarkeit und Demut schenken uns die Bescheidenheit, die wir brauchen, um Verschwendung und Ungleichheit entgegenzuwirken. Wenn wir einander ohne Eigennutz begegnen, setzen wir den ersten Schritt hin zu einer gerechteren und lebenswerten Welt. Gehen wir in diese Woche mit Freundlichkeit, Zuversicht und Fairness und dem Blick auf ein gerechtes Leben in Würde für alle.
Viel Freude und gute Begegnungen wünschen Ihnen aus dem Fastenteam
Siglinde Hinderer, Doris Banzhaf und Katharina Saile